Wie es manchmal eben ist

Ich bin niemand, der nach außen hin viel fühlen kann und teilweise kann ich auch nach innen nicht so viel fühlen oder vielleicht verstehe ich oft auch nicht was genau ich fühle und die meiste Zeit bin ich auch ganz okay damit, das nicht zu wissen. Hab meistens auch kein Bemühen und Bedürfnis, alles in mir drin genau zu beschreiben und ergründen. In 99,9% der Fälle geht’s mir gut und ich würde kaum jemanden eine andere Antwort geben, wenn man mich nach meinem Befinden fragt. Außer vielleicht – gut, aber (müde, stressig, dies das), aber gut.

Die letzte Woche ging’s mir nicht gut. Mir geht es jetzt auch noch nicht wieder richtig gut – und das ist mehr als merkwürdig für mich. Auch jetzt weiß ich nicht, wie ich mich fühle, es ist auf jeden Fall sehr, sehr anders als sonst.

Denn Trauer um einen Menschen, um dich, ist wohl eben was anderes. Vor allem, wenn die Umstände so sind, wie sie sind. Wenn man akzeptieren und sich immer wieder vorhalten und verinnerlichen muss, dass da wirklich überhaupt niemand etwas hätte anders machen können, du nicht und wir nicht und ich nicht – oder doch? Wenn der Körper wohl manchmal einfach Dinge tut, die man nicht nachvollziehen kann, nicht verstehen kann.

Man ist wohl nie drauf vorbereitet, ich wars zumindest überhaupt nicht. Aber so wirklich nicht – es kam Hals über Kopf, hat uns und mich unfassbar kalt erwischt, wie ein Schlag, den man nicht hat kommen sehen und der einen ganz dumpf zurücklässt.

Und worauf ich auch nicht vorbereitet war, ist wie ich reagiert habe und reagiere, wie ich gefühlt habt und fühle – oder auch “nicht-fühle”, wenn das ein Zustand ist. Ich bin nicht ich selbst gerade, kann weder mir selbst noch anderen beschreiben, wie es mir geht, was mir helfen würde, ich mache größtenteils einfach alles, was ich sonst auch machen würde und hab mich doch vor allem draußen und vor allem drinnen verbarrikadiert. Ich wusste, dass ich das gut kann, dieses verbarrikadieren, aber so gut? Lässt mich halb daran zweifeln, ob das so richtig ist. Wobei richtig auch wieder ein falsches Wort ist, dafür. Ein Richtig oder ein Falsch gibt’s da wohl nicht, vielleicht eben nur ein Richtig für mich persönlich, in dieser einen Situation gerade jetzt.

Und so konzentrier ich mich so gut es geht aufs irgendwie Dankbar sein. Für meinen manchmal etwas kalten und schulterzuckenden Pragmatismus, der mich davor bewahrt hat, mich mit vielen hätte und wäre und könnte aufzuhalten und kaputt zu machen, sondern mich in den letzten Tagen das machen hat lassen, was getan werden musste, gesagt und gedacht werden musste, um damit klarzukommen. Dafür, dass ich meine Menschen bei mir hatte und habe. Dafür, dass ich für die da sein konnte, sofort und gleich und hoffentlich auch gut, für die, die dir noch näher waren als ich. Dass wir innerhalb eines halben Tages alle sofort zusammen waren, funktioniert haben, Halt hatten.

So ist es wohl manchmal. Und so trag ich jetzt deine Uhr, hör deine Platten, hab den Himmel mit deiner Kamera fotografiert, denk an dich und hoffe, das du glücklich warst und zufrieden wärst, mit dem, was ich durch dich, wegen dir und für dich weiter trage.

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6 Kommentare

  1. Nadine
    03/06/2018 / 22:42

    Liebe Diana, ich wünsche dir alle Kraft der Welt diese schwierige Zeit zu überstehen und die Trauer zu zulassen. Es wird dauern sowas zu überwinden aber im Herzen bleibt der Mensch immer da! In vielen Momenten denkt man an den geliebten Menschen und schöpft dadurch wieder neue Kraft. Liebe geht über diese Grenzen hinaus.
    Halte durch und sei du selbst, auch wenn das an jedem Tag anders sein kann.

    LG Nadine

  2. Lia
    03/06/2018 / 23:39

    Diana, wie oft denke ich mir dass du mir aus der Seele sprichst und auch nun teilen wir so ein schreckliches Ereignis. Ich erschrecke selber wie man selbst doch anders reagiert als erwartet, aber werten kann man dies denke ich nicht.
    Das Leben lässt sich nicht aufhalten und irgendwie gehört es dazu, auch wenn es nicht dazu gehören sollte. Auf der anderen Seite ist es schön zu sehen wie Menschen schnell wieder zusammen kommen können, sich selbst nicht so wichtig nehmen und einfach beisammen sind.

    Alle Kraft des Universums für Dich & deine Familie <3

  3. Caro
    03/06/2018 / 23:48

    „Wir alle sind die Summe dessen, woran wir uns erinnern.
    In uns tragen wir die Hoffnungen und Ängste derjenigen, die uns lieben.
    Und solange die Liebe und die Erinnerung in unserem Herzen lebendig bleiben, ist niemand jemals wahrhaftig vergessen und vergangen.„ – Cassandra Clare

    Viel Kraft auf diesem schweren Weg!

  4. MiMa
    04/06/2018 / 22:02

    Viel Kraft Diana und all das was du grade brauchst, auch wenn man erst herausfinden muss, was das ist.

  5. MiMa
    04/06/2018 / 22:04

    Viel Kraft Diana und all das , was du gerade brauchst, auch wenn man erst herausfinden muss, was das ist.

  6. svea
    12/06/2018 / 16:17

    Wow, ich lese immer nur ab und zu Texte von dir, aber das ist total toll geschrieben. So ehrlich. So vertraut aber doch irgendwie nicht zu privat. Zumindest fühlt es sich so an.
    Aber das Lesen war toll, das wollte ich dich wissen lassen!
    Viel Kraft für die nächsten Sommertage und die Bachelor-Hustle-Phase. Und vielleicht gibt es dann für ein bisschen glücklichsein im Leben für dich bald ein nächstes Sommergewitter!

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