Kleiderschrank aussortieren – Q&A

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Ich hab gestern Abend mal wieder ausgemistet. Ich bin vor drei Jahren auf Marie Kondo’s Buch “The Life Changing Magic of Tidying up” gestoßen, habs irgendwann mal als Hörbuch gehört und danach meinen wirklich großen Kleiderschrank radikal ausgemistet – und diesen Artikel hier geschrieben. Meine Einstellung zu Garderobe und Besitz ist immer noch ähnlich, also schaut da vorab gerne mal rein – denkt nur auch dran, ist wie gesagt fast drei Jahre her.

Meine Kaufentscheidungen sind seither viel viel besser geworden, ich kaufe wenig und ausgewählt und trotzdem ist aus meiner damals so minimalistischen Garderobe doch wieder ein bisschen mehr geworden. Jetzt hab ich gesehen, dass Marie Kondos Buch als Netflix-Serie produziert wurde und hab mal reingeschaut. Ich finde die Produktion echt furchtbar, viel zu sehr Realtiy-Drama-Tränendrüse, aber ich hab mich an die eigentliche Methode und ihre Worte damals in dem Buch erinnert, die mir damals so geholfen haben.

Also, gestern zum ersten Mal seit drei Jahren wieder mal “richtig” aussortiert. Besitze jetzt noch genau das, was auf dem Titelbild hier zu sehen ist, nichts mehr in Schubladen, Kommoden oder Kisten.

Nachdem ich das Bild in die Story gepackt hab, ist meine Inbox explodiert mit Fragen – deshalb dachte ich mir, ich schreibe zum Thema ein Q&A. Vorab: das ist nur meine Herangehensweise an Kleidung und Garderobe. Vieles, was ich sage, hört sich vielleicht radikal und sehr pragmatisch an, aber mich machen eben simple, zeitlose, klare Outfits glücklich, ich mache mir wenig aus Trends. Das gilt alles natürlich nicht für jeden und das macht sicher auch nicht jeden glücklich, deshalb seht das ganze einfach als ne Idee, als Einblick in meine Einstellung und überlegt hinterher, ob ihr etwas davon für euch mitnehmen könnt und wenn, was davon sich für euch machbar anhört und euer Leben leichter machen würde.

Mit welcher Methode gehst du ans Aussortieren ran? 

Der Ansatz zum Aussortieren ist wie gesagt aus Marie Kondos erstem Buch. Ich nehme alle, alle Kleidungsstücke, die ich besitze, und leg sie auf einen großen Berg. So sieht man erstmal, wie viel man eigentlich besitzt. Dann jedes Teil einzeln in die Hand nehmen, genau anschauen und überlegen, ob man es behalten mag. Ich behalte, was ich oft und gerne trage, was meine Lieblingsstücke für bestimme Anlässe sind, was mir gut passt und in was ich mich wohlfühle.

Fällt es dir leicht, dich von Stücken zu trennen? 

Geht so. Bei manchen ist es mir komplett klar, dass ich das Teil seit einem Jahr nicht anhatte und es mir auch nicht mehr gefällt, da ist es kein Problem. Dann gibts natürlich auch Stücke, die ich super schön finde, die ich irgendwann mal sehr gerne anhatte, vielleicht auch an nem besonderen Tag oder sonst was – oder die teuer waren. Ich hatte jetzt auch mehrere graue Pullis in den Händen, die ich sehr mag, die ich schön finde und echt ungern weggegeben habe. Aber ich habe sie den ganzen Herbst und Winter nicht einmal angezogen, weil sie mir eben nicht zu 100% perfekt passen oder gefallen und ich dann doch immer eher zu dem einen perfekten grauen Pulli greife. Dann kommen die anderen eben weg und machen jemanden anderen glücklich. Ich versuche, da gnadenlos ehrlich mit mir zu sein – es bringt nichts, wenn sie hängen und einstauben und ich sie eh nicht anziehe. Und auch wenn man bei seiner ersten Assortier-Aktion nach langer Zeit oder überhaupt umgerechnet mal ein paar Hundert Euro auf seinem Aussortier-Stapel sieht (so ging mir das vor drei Jahren), das kann vielleicht ein bisschen weh tun, aber gleichzeitig bei jeder zukünftigen Kaufentscheidung dran erinnern und noch ein Stück mehr sensibilisieren.

Was ist mit Stücken mit sentimentalem Wert?

Ich hab auch einige Teile, die ich mit Sicherheit nie anziehen werde – zB. mein Abiball-Kleid. Das erlaub ich mir. Allerdings versuch ich mir meistens zu sagen, dass ich für die besten und wichtigsten Erinnerungen keinen materiellen Gegenstand brauche, das hilft dann.

Wie kannst du dir sicher sein, dass du die Teile nicht mehr magst? Hast du schonmal bereut, was weggegeben zu haben? 

Wenn ich zu lange bei einem Teil überlege, behalte ich es. Wenn ich nach ein paar Wochen wieder drauf stoße und es immer noch nicht anhatte, weiß ich meistens, was zu tun ist. Bereut hab ich noch nichts, denn die Teile, die man selten oder gar nicht getragen hat, vergisst man sowieso relativ schnell.

Wie kaufst du denn neue Kleidung? 

Ich kaufe mittlerweile nur sehr wenig – wenn, dann fast nur noch Second Hand, vor allem Jeans, Jeans-Shorts, Hoodies, Sweater, Basic T-Shirts und Tops. Wenn ich etwas ganz spezifisches will oder brauche, kaufe ich auch mal regulär was, behalte aber wirklich nur das, was mir erstens perfekt passt oder sich abändern lässt und mir richtig gut gefällt.

Wie handhabst du das Budget – ist es nicht teuer, immer wieder neu zu kaufen, wenn du so oft ausmistest?

Die Frage hab ich nicht ganz verstanden – das ist ja nicht, was ich mache. Ich sortiere 1-2 Mal im Jahr aus und dann auch meistens nur wenige Teile und nicht mit dem Ziel, meine Garderobe von Grund auf zu erneuern, das ist ja Blödsinn und komplett gegen meinen eigentlichen Gedanken. Das Ziel vom Aussortieren ist nicht, auf Zwang möglichst viel wegzugeben – sondern einfach genau zu überlegen, was man im letzten Jahr, nach allen Jahreszeiten und möglichen Veranstaltungen gerne getragen hat. Wenn man seinen ganzen Schrank oft trägt, alles mag, vieles oft wiederentdeckt, dann ist ja alles bestens. Ich kaufe nach dem Aussortieren ja nichts neues, ich “fülle” ja nicht wieder auf. Es kommt nur raus, was ich wirklich nicht mehr trage und brauche.

Hältst du dich an bestimmte Farben, damit du leicht kombinieren kannst?

Yessss – wie vielleicht viele wissen und ahnen und auch anhand meiner Outfits sehen, trage ich fast ausschließlich schwarz, grau, weiß und hellblauen Denim. Ich trage fast immer ähnliche Outfits und besitze genau zwei Teile, die nicht schwarz, grau oder weiß sind und erinnere mich auch beim Einkaufen dran, keine anderen Farben zu kaufen. Ich hab früher oft genug Farben ausprobiert, sie nicht oft genug getragen, ich muss sie einzeln waschen und sie passen kaum zu etwas von meinen anderen Sachen.

Hast du nur Basics oder auch ausgefallenere Teile, die du nur selten trägst?

Ich hab auch für außergewöhnliche Events zwei, drei bisschen ausgefallenere Sachen, die aber perfekt passen und zu denen ich immer wieder greife, auch nach Jahren noch.

Wie schaffst du es, mit so wenig auszukommen? Stört es dich nicht, oft das Gleiche zu tragen?

Überhaupt nicht. Ich trag alles, was ich habe, super gerne, alles sitzt und passt und ich fühl mich wohl darin. Ich finde nicht, dass ich wenig habe, für mich ist das genug und keine Einschränkung. Nur weil ich einen eher minimalistischen Stil habe, macht es mir ja trotzdem Spaß, mich irgendwie anzuziehen – auch wenn ich an den meisten Tagen schwarze Skinny Jeans oder hellblaue Mom-Jeans mit nem Hoodie oder Shirt oder Pulli trage, das gibt mir ja trotzdem ein gutes Gefühl. Ich mache mir morgens nie länger als 2 Minuten über mein Outfit Gedanken, auch für Abends hab ich meine vier, fünf Standardoutfits. Da eh fast alles schwarz ist, fällt es erstens nicht auf, wenn ich oft das gleiche anhab – und außerdem fühl ich mich in allem so wohl, dass ich lieber drei Mal Samstags das Gleiche anhab, als den ganzen Abend an irgendeinem Experiment herumzuzuppeln. Verstehe sowieso nicht, woher dieser Drang nach immer unterschiedlichen Outfits ist und warum man ein Problem damit haben sollte, oft das gleiche anzuhaben.

Wie wäscht du? Ich habe oft das Problem, mit meinen wenigen Lieblingsstücken die Maschine nicht vollzukriegen, muss aber trotzdem häufig waschen, weil ich ja nicht viel Alternativen habe. 

Das Problem kenn ich! Ich habe auch viele Teile, die ich jede Woche anziehe und jede Woche brauche – wenn irgendwas davon wirklich dreckig wird, kann ich dann auch nicht immer drauf warten, bis ich eine Maschine vollkrieg. Deshalb ist die “Unter 3 kg”- Funktion für mich perfekt. Ich wasche aber ehrlich gesagt auch alle Materialien und schwarz mit sämtlichen Grautönen zusammen – das kommt dann meistens hin.

Was machst du mit den aussortierten Sachen? 

Wer seine aussortierten Sachen nicht verkaufen will, steht meistens vor dem Problem – wohin damit? Nach so einer Aktion will man ja alles Aussortierte möglichst schnell rausschaffen. Wie hoffentlich jeder weiß, sind Altkleider-Container mit Vorsicht zu genießen – sind ein sehr bequemer Weg, nur dienen oft dem falschen Zweck. Viele Betreiber von Altkleidercontainern verkaufen die Spenden in Entwicklungsländern weiter, machen damit gut Profit und zerstören zusätzlich oft den lokalen Textilhandel vor Ort. Daher unbedingt jeden Betreiber vorab prüfen.

Ich gebe nichts in Altkleidercontainer, sondern gebe meine aussortierten Sachen meistens an Familie, Schwester, Cousinen, Freundinnen weiter (und trage genauso auch oft Teile, die von Ihnen aussortiert werden – einfach mal nen Tauschabend machen), verkaufe manches und spende den Rest. Ich spende meistens an Frauenhäuser oder an die Caritas, immer nach einer kurzen telefonischen Nachfrage, ob und wo was genau gebraucht wird. 

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Sooo, das war viel, Freunde. Ich hoffe, ich habe das Wichtigste abgedeckt und beantwortet – falls ihr etwas vermisst oder noch Fragen habt, stellt sie mir super gerne in die Kommentare unter diesen Beitrag, da kann ich auf alles eingehen 🙂 Liebste Grüße!

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7 Kommentare

  1. Dunja
    12/01/2019 / 10:58

    Hi Diana, schön dass du uns mit nimmst zum ausmisten! 😀 hab auch Magic Cleaning gelesen allerdings in die Serie noch nicht rein geschaut.

    Wollte noch fragen, wie du das dann mit Sport Sachen machst?:)

    Liebe Grüße
    Dunja

  2. Lea
    12/01/2019 / 17:49

    Schöner Beitrag, der mich motiviert auch nochmal nach dem Prinzip durch meinen Kleiderschrank zu gehen. Und auch wirklich nur was neues kaufen, wenn es zu 100% passt. Ein guter Vorsatz für dieses Jahr.

    Liebe Grüße,
    Lea

  3. 13/01/2019 / 8:33

    Ein wirklich schöner Post liebe Diana!
    Ich bin momentan auch immer wieder am Aussortieren und werde das auch als erstes machen, wenn ich von meiner Reise zurück komme

  4. Alexandra
    13/01/2019 / 13:18

    Ich wasche grundsätzlich alles zusammen bei 40°C (Wohnheim…) und bis jetzt hat alles überlebt 😅

  5. Tanja
    13/01/2019 / 15:19

    Sehr schöner Beitrag!
    Hab da eine total ähnliche Einstellung, bei mir kam sie nach meine Uniaustausch mit Kanada – als ich das erste Mal merkte, wie wenig man (also, zumindest ich) eigentlich regelmäßig anzieht und je mehr Gepäck, desto mehr BalLAST. Finde mein Leben auch einfach viel entspannter, seitdem ich nicht mehr so viel Zeit und Energie und Nerven mit “Shopping” und “stylen” und “was ist mein Stil und wie drücke ich ihn aus?” verbringen muss. Als Teenager dachte ich, das mache mir Spaß, inzwischen sehe ich vielmehr, wie konditioniert ich war. Ich meine, in der Zeit in der ich in ungemütlicher Unzufriedenheit unnütz vor dem Spiegel stehe, kann ich auch essen oder schlafen 😀 Im Gegensatz zu dir trage ich auch recht viele Farben und sehe darin nicht wirklich eine Herausforderung.
    Inzwischen ist es für mich eine Riesenfreude, die alten, ausgemusterten Sachen von Bekannten durchzugehen und in Läden wie h&m und Konsorten mag ich mich gar nicht mehr aufhalten, weil mir von der Luft und dem grellen Licht recht schnell übel wird.
    Wasche übrigens auch immer alles zusammen bei 30°, trage aus demselben Grund allerdings auch kein reines Weiß.

  6. Vivian
    14/01/2019 / 14:47

    Danke für den tollen Beitrag, Diana! Ich kann alles, was du geschrieben hast, genau so unterschreiben. Hab auch vor ca. einem Jahr vor einem Umzug mithilfe von “Magic Cleaning” radikal ausgemistet und die Kleidungsstücke, die ich seitdem gekauft habe, kann ich an einer Hand abzählen. Ich finde es so befreiend, wenig zu besitzen, viel mehr freien Platz zu haben und vor allem immer einen Überblick zu haben, was man so besitzt.
    Inzwischen brauche ich wirklich nur noch ein paar Sekunden, um mir ein Outfit zusammenzustellen – zum einen, weil ich ja eh nicht mehr so viele Klamotten besitze, und zum anderen, weil sich eigentlich alle meine Kleidungsstücke wunderbar miteinander kombinieren lassen (was auch eine unglaubliche Erleichterung beim Kofferpacken für Reisen ist!!!).
    Wenn ich dann doch mal etwas Abwechslung brauchte, habe ich mit der Zeit wieder mehr Spaß an Makeup (bzw. vor allem rotem Lippenstift) und großen Ohrringen gefunden – damit sieht man sofort ganz anders aus und kann sein Tagesoutfit auch super abends tragen.

    Liebe Grüße, Vivian 🙂

  7. Merle
    16/01/2019 / 11:35

    Hallo Diana, ich liebe es, Posts von dir zu lesen. Auch dieser gefällt mir besonders gut, da ich mich auch mit dem Thema Minimalismus auseinandersetze und neuen Input dazu gerne lese. Ich hatte nie das Problem mit dem riesigen, überfüllten Kleiderschrank, da ich schon immer am liebsten die gleichen Sachen angezogen habe. Ein paar “Karteileichen” habe ich aber auch noch in meinem Schrank rumfliegen. Ich werde mich mal daran machen, alles noch einmal durchzugucken.
    Liebe Grüße,
    Merle

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